
Haben es linkshändige Kinder schwerer?Noch immer erschrecken viele Eltern, wenn sie merken, dass ihr Kind Dinge mit der linken Hand verrichtet. Aus Unwissenheit reagieren sie auf die Linkshändigkeit ihrer Sprösslinge häufig falsch. Viele Eltern wollen ihre Kinder zu Rechtshändern „umerziehen“, damit sie es im Leben leichter haben. Obwohl dieses Vorhaben nur gut gemeint ist, kann es fatale Folgen haben.
Noch immer ist sich die Wissenschaft nicht einig, ob die Händigkeit eines Menschen bereits vor seiner Geburt festgelegt ist oder sich erst im Laufe der ersten Lebensjahre entwickelt. Sicher ist, dass Vererbung bei der Linkshändigkeit eine grosse Rolle spielt. Kinder entwickeln sich doppelt so häufig zu Linkshändern, wenn auch ein Elternteil die linke Hand bevorzugt. Dies deutet auf eine vorgeburtliche Festlegung der Händigkeit eines Menschen. Seitenanfang

Was ist Linkshändigkeit und wie entsteht sie? Die bevorzugte Körperseite zeigt sich nur gelegentlich schon in den ersten Lebensmonaten eines Säuglings. Häufiger kann man beobachten, dass Kleinkinder noch mit beiden Händen gleichermassen geschickt sind und sie gleich stark benutzen. Sie sind zunächst „Beidhänder“. Spätestens jedoch ab dem zweiten oder dritten Lebensjahr beginnen Kinder für bestimmte Tätigkeiten wie Zähneputzen, Ballwerfen oder Greifen immer wieder eine Hand zu benutzen.
Die Seitigkeit des Menschen wird jedoch nicht durch Sozialisation geprägt, sondern Links- oder Rechtshändigkeit steht in Zusammenhang mit der individuellen Entwicklung des Gehirns . Die Bevorzugung einer bestimmten Körperhälfte hängt mit der Seitigkeit oder Lateralität des menschlichen Körpers zusammen. Grundsätzlich wird die rechte Körperseite von der linken Gehirnhälfte gesteuert und die linke Körperseite von der rechten Gehirnhälfte. Dies liegt an der Kreuzung der sensorischen und motorischen Nervenbahnen. Bei Rechtshändern ist die linke Grosshirnhälfte stärker ausdifferenziert, bei Linkshändern entsprechend die rechte. Die Dominanz einer Gehirnhälfte bestimmt somit die Händigkeit eines Menschen.
Die stärkere Ausdifferenzierung der einen Gehirnhälfte geschieht im Laufe der Entwicklung eines Kindes. Beide Hemisphären sind bei einem Neugeborenen in ihrer Funktion und Ausprägung zunächst gleich. Im Kleinkindalter übernehmen die beiden Gehirnhälften mehr und mehr voneinander verschiedene Aufgaben, es entwickelt sich die Lateralität. Eine Hälfte spezialisiert sich auf die Lösung komplexerer Aufgaben, die andere auf das Zerlegen und Analysieren von Informationen. Diese Gehirnhälfte ist es letztendlich auch, die für die Sprache, die Motorik und die Ausbildung einer „geschickteren“ Hand zuständig ist.
Die unterschiedliche Ausprägung der Hemisphären kann beim Menschen jedoch verschiedenartig Seitenanfang

Warum eine Umschulung negative Folgen mit sich bringen kann Auch heutzutage wird oftmals versucht, Linkshänder schon im Kindesalter umzuschulen. Eine Umschulung kann jedoch immense und folgenreiche Auswirkungen auf das menschliche Gehirn haben. Durch eine Umschulung auf die rechte Hand bleibt die rechte Gehirnhälfte des Linkshänders nämlich weiterhin dominant, wird aber nun gehemmt. Die andere Gehirnhälfte muss jetzt mehr und neue Aufgaben übernehmen. Sie ist dadurch stark überfordert, während die andere Hälfte unterfordert ist. Die natürlichen Arbeitsabläufe im Gehirn verändern sich gravierend. Es kommt zu Kompetenzschwierigkeiten zwischen den beiden Gehirnhälften.
Wenn ein umgeschulter Linkshänder etwa mit der rechten Hand schreiben soll, darf seine starke und eigentlich steuern wollende rechte Gehirnhälfte nicht aktiv werden. Die schwächere und für diesen komplizierten Prozess nicht ausgebildete linke Gehirnhälfte muss nun diese Aufgabe übernehmen. Dies führt zu einer grossen Verkomplizierung des erforderlichen Arbeitsaufwands des Gehirns.
Die Konsequenzen können weitreichend sein: Das Gedächtnis, die Konzentrationsfähigkeit und Reaktionsschnelligkeit werden negativ beeinflusst. Ein solches „Umschulungs-Attentat“ kann jedoch auch zu Minderwertigkeitsgefühlen und legasthenischen Problemen wie Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten führen.
Weitere Primärfolgen einer Umschulung äussern sich möglicherweise durch eine Raum-Lage-Labilität in Form von Links-Rechts-Unsicherheit, feinmotorische Störungen besonders im Schriftbild und Sprachstörungen in Form von Stottern oder Stammeln. Aus diesen Schwierigkeiten können sich Sekundärfolgen wie schnelle Ermüdung, Unsicherheit, Zurückgezogenheit und Trotzhaltungen, aber auch psychosomatische und neurotische Störungen wie Bettnässen, Nägelkauen und Schlafstörungen ergeben.
Die „Anpassungsmassnahme“ an die rechtshändige Umwelt durch eine Umschulung vollzieht sich meist schon vor dem Schuleintritt des Kindes. Oftmals werden die möglichen Folgeerscheinungen der Umschulung nicht erkannt und Schulprobleme nicht kausal darauf zurückgeführt. Die Schwierigkeiten des „Pseudo-Rechtshänders“ werden fälschlicherweise als persönliches Unvermögen und mangelnde Begabung eingestuft.
Aus einem linkshändigen Menschen kann man keinen Rechtshänder machen und umgekehrt. Die Händigkeit eines Menschen ist und bleibt durch die Dominanz einer Hirnhälfte festgelegt. Umgeschulte Linkshänder werden es im Leben also nicht leichter haben, sondern eher das Gegenteil wird der Fall sein Seitenanfang

Tipps für den Umgang mit linkshändigen Kindern Zwingen Sie Ihr Kind niemals, etwas mit der rechten Hand zu tun, was es mit der linken durchführen möchte. Linkshändige Kinder dürfen nie das Gefühl vermittelt bekommen, sie seien schlechter oder dümmer als andere Kinder. Eltern sollten ganz normal und ungezwungen mit Linkshändern umgehen. Angriffe auf die Persönlichkeit des Kindes müssen vermieden und das Selbstbewusstsein gesteigert werden. Bestimmung der Händigkeit
Stellen Sie möglicht früh fest, welche Hand Ihr Kind bevorzugt. Unterstützen Sie Ihr Kind dahingehend, dass es diese Hand dann auch konsequent benutzt. Sind Sie nicht ganz sicher, ob Ihr Kind Links- oder Rechtshänder ist, helfen Ihnen die Seiten Linkshänder weiter.
Linkshändige Kinder benötigen keine Sonderbehandlung. In der Schule haben sie beim Schreiben oder Malen nicht mehr Schwierigkeiten als rechtshändige Kinder.
Achten Sie darauf, dass Ihr Kind den Stift richtig hält. Wichtig ist, dass der Stift am unteren Ende so mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger gehalten wird, dass die linke Kante der Hand auf dem Papier aufliegt.
Das Heft sollte mit der rechten unteren Seite zum Körper des Kindes hin zeigen. | |
Achten Sie auf die richtige Körperhaltung des Kindes. Die linke Schulter sollte etwas nach vorn zeigen. Dadurch wird eine verkrampfte Körperhaltung vermieden. Im Gegensatz zu Rechtshändern vollzieht ein Linkshänder eher stossende Schreibbewegungen, die aber völlig in Ordnung sind.
Besprechen Sie mit Lehrerin oder Lehrer einen günstigen Sitzplatz im Klassenzimmer. Wenn Links- und Rechtshänder zusammen an einem Tisch sitzen, können Sie sich gegebenenfalls beim Schreiben stören. Ein linkshändiges Kind sitzt an einem Zweiertisch am besten an der linken Seite, um den Tischnachbarn nicht zu behindern. Seitenanfang
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